Durch Schluchten, Moore und die Hölle

Wanderung durch drei geheimnisvolle Gegenden unserer Heimat

Von Georg Salz-Frühauf

Auf einer ca. 16 km langen Wanderung des Rhönklubs Oberweißenbrunn wurden die Wanderer an mystisch anmutende Orte in der hessischen und bayerischen Rhön geführt, wobei „mystisch“ hier weniger im spirituellen Sinn, sondern mehr als geheimnisvoll zu verstehen ist.
Los ging es am Morgen von Oberweißenbrunn mit dem Linienbus 810 mit recht günstiger Gruppenfahrkarte nach Gersfeld. Auf dem Weg vom Bahnhof zum Einstieg in die Kaskadenschlucht konnte man einen Eindruck davon erhalten, dass die Existenz des Bibers und die Aufrechterhaltung der Wegeinfrastruktur sich nicht ausschließen müssen. Bereits am Einstieg in die Kaskadenschlucht erkennt man, dass sich der kleine Bach seinen Weg über zahlreiche Blockstufen tief in den Sandstein gegraben hat (Bild 1).

Markante kleine Wasserfälle und hohe seitliche Abbrüche begleiten den immer steiler ansteigenden Weg bis das Rauschen des Bächleins schließlich geheimnisvoll verstummt (Bild 2).

Nach 320 Höhenmetern lässt es sich entspannt über den Moorpfad durch den Kernbereich des Roten Moores wandern. Einer schaurigen Sage nach findet man abseits des Weges noch die Skelette von fünf Kinderleichen. Ein Vater musste in einem eisigen Winter auf dem Weg von Gersfeld nach Fladungen seine fünf Kinder alleine im Moor zurücklassen, um an der bayerischen Grenze Formalitäten zu erledigen. Von dort durfte er nicht mehr zurückkehren, sodass die Kinder einen jämmerlichen Tod erfahren mussten. Diese Geschichte ist übrigens nur im Kriminalroman „Der Kommissar in Wanderschuhen“ von Tim Frühling zu finden.
Nach dem Besuch des Stausees am Roten Moor (Bild 3) und der Rast auf der gerade erst neu eröffneten Hütte „Rotes Haus“ am Loipenzentrum Rotes Moor hatten die Wanderer wieder genug Kraft, dem Hochrhöner folgend zu den imposanten Kesselsteinen, einer linkerhand lustig zusammengestellten Kalkformationsfläche, zu gelangen. Rechterhand genießt man einen herrlichen Ausblick in die hessische Rhön. Entlang der alten Handelsstraße Bamberg - Frankfurt gelangte die Gruppe zum Parkplatz Schwedenwall, der Wasserscheide zwischen Rhein und Weser und gleichzeitig der Landesgrenze zwischen Bayern und Hessen, um von dort aus den letzten steilen Anstieg zur Hohen Hölle zu bewältigen. Doch auch wenn sich diese 894 m hohe Erhebung in unmittelbarer Nachbarschaft zu Teufelsberg und Himmeldunkberg befindet, handelt es sich hier um eine weniger mystische Namensgebung. Hölle leitet sich aus der Hähl/Hohl ab, die bereits im 15. Jahrhundert Teil der Landwehr war, die auf 35 km zwischen Eierhauck und Fladungen errichtet wurde. Nach insgesamt 550 Höhenmetern Aufstieg wurden die Wanderer mit einem der schönsten Panoramablicken der bayerischen Rhön belohnt. Nach kurzem Verweilen auf der Liegebank gings dann entlang der mit zahlreichen Grenzsteinen aus den Jahren 1872 und 1909 bestückten hessisch/bayerischen Landesgrenze zurück nach Oberweißenbrunn, wo die Teilnehmer dem Wanderführer für die schöne Wanderung und die fachlich fundierten Informationen dankten.
Bilder im Text:
Bild 1: Am Einstieg in die Kaskadenschlucht, Foto Christine Frühauf
Bild 2: Wanderführer Schorsch gibt Einblicke in die Geologie der Rhön, Foto: Nicole Abert
Bild 3: Die Wandergruppe vor dem Stausee Rotes Moor, Foto Christine Frühauf

 

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